Foto: agrar-press

Mehr als 50% der Kühe waren überkonditioniert, teilweise in extremen Bereichen. Abbildung: K. Mahlkow

Nachdem die Körperkondition mehr berücksichtigt worden ist, zeigte sich die Herde deutlich schlanker. Abbildung: K. Mahlkow

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08.03.10 - Rationen

Die Körperkondition ist steuerbar!

Von: Dr. Katrin Mahlkow, LWK Schleswig-Holstein

Rationsberechnung für den Monat März

am Beispiel eines landwirtschaftlichen Betriebs mit einer Herdendurchschnittsleistung von > 9.000 kg und zahlreiche überkonditionierten Kühen.

Ausgangssituation in einem Milchkuhbetrieb Sommer 2007:

  • Fütterung der laktierenden Kühe in 2 Gruppen
  • Hochleistungsgruppe: TMR für > 35 kg Milch
  • Niedrigleistungsgruppe: Teil-Mischration für 24 kg Milch + Kraftfutter nach Leistung
  • Gruppenwechsel erfolgt ausschließlich nach Milchleistung

Körperkondition der Herde:

  • zahlreiche (> 50 %) Tiere überkonditioniert, manche zum Teil extrem (in Bereichen über 3,75)
  • das betrifft gleichermaßen beide Fütterungsgruppen
  • auffallend war die Überkonditionierung bei Tieren beider Gruppen vom 150.-250. Laktationstag zu viele Tiere blieben zu lange in der Hochleistungsgruppe; der Gruppenwechsel erfolgte grundsätzlich zu spät und ohne Berücksichtigung der Körperkondition der Tiere (vgl. Übersicht 1)

Empfehlung:
Während bei der TMR – vorausgesetzt, es wird mit mindestens 2 Fütterungsgruppen gearbeitet -  ausnahmslos über einen Gruppenwechsel des Tieres das Auf- oder Abfleischen beeinflusst werden kann, erfolgt bei herdenbezogener Grundfuttervorlage mit einzeltierbezogener Leistungsfuttergabe die Umsetzung und Einbeziehung der Körperkonditionsbewertung in das Fütterungsmanagement über Zu- und Abschläge der Leistungsfuttergabe am Automaten.

Bei TMR ist ein Umgruppieren in die jeweils niedrigere Fütterungsgruppe zweckmäßig, wenn die Milchleistung des Tieres den Anforderungen der Fütterungsgruppe entspricht, die Körperkondition aber deutlich (0,5 Noten und mehr) oberhalb der angestrebten liegt und die Laktationsdauer ein weiteres Verfetten befürchten lässt. Entgegengesetzt ist keine Umgruppierung in die niedrigere Fütterungsgruppe vorzunehmen, wenn zwar die Milchleistung unter den Anforderungen der Fütterungsgruppe liegt, das Tier aber unterkonditioniert ist und die Zeitspanne bis zum Trockenstellen nur noch kurz ist.

Beträgt hingegen die Zeit bis zur Trockenstehphase noch 150 oder gar 200 Tage, dann würde eine Umstellung aus futterökonomischer Sicht erfolgen, da das Tier noch genügend Zeit hat, Körperfettreserven  anzulegen. Ein umstellungsbedingter Rückgang der Milchleistung wird in Kauf genommen, da die Laktation fortgeschritten ist und ein Verfetten unbedingt vermieden werden muss.

Färsen, deren Milchleistung unter den Anforderungen der jeweiligen Fütterungsgruppe liegt, die aber deutlich zu mager sind und deren Wachstum noch nicht abgeschlossen ist, haben ebenfalls einen über der Milchleistung hinausgehenden Energiebedarf, dem Rechnung getragen werden sollte.
Bei herdenbezogener Grundfuttervorlage und einzeltierbezogene Leistungsfuttergabe über die Abruffütterung erfolgt entsprechend der Abweichung der Körperkondition vom Optimalbereich für das Einzeltier ein Zu- oder Abschlag bei der Leistungsfuttergabe am Kraftfutterautomaten.

Tiere, deren Körperkondition unterhalb der geforderten liegt, erhalten eine Energiezulage über ihrem tatsächlichen Bedarf für Erhaltung und Milchbildung.

Spätestens ab Beginn des 3. Laktationsdrittels sollte mit der Fütterungs-korrektur begonnen werden, um die Tiere bis zum Trockenstellen in die gewünschte Körperkondition zu bekommen. Dabei müssen für das Aufholen einer halben Note etwa 1,7 kg Leistungsfutter über den Bedarf der aktuellen Milchleistung gegeben werden. Die weitere Körperkonditionsentwicklung ist dabei unbedingt weiterhin im Auge zu behalten.

Bei Kühen, deren BCS-Note oberhalb des Optimalbereiches liegt und die im weiteren Laktationsverlauf verfetten würden, wird die Energiezufuhr gedrosselt. Diese Tiere erhalten weniger Energie als für ihre tatsächliche Milchleistung notwendig wäre, wobei aber eine behutsame Abfütterung um täglich 0,15 kg notwendig ist bis zu einer Menge von 1,5 kg Leistungsfutter unterhalb des tatsächlichen Bedarfes für die erreichte Milchleistung. Auch hier sollte unbedingt im vierwöchigen Abstand der weitere Körperkonditionsverlauf kontrolliert werden, um bei positivem Effekt die reduzierte Kraftfuttergabe notfalls wieder zu verändern.

In diesem Betrieb waren beide Fütterungssysteme installiert – die TMR in der Hochleistungsgruppe 1 und die individuelle Leistungsfuttergabe in der Niedrigleistungsgruppe 2. Insofern kann man bei der Vorlage einer Teil-Mischration und der Kraftfuttergabe am Automaten Kühe mit geringer werdender Leistung sehr gut und individuell „abfüttern“. Gerade unter solchen Bedingungen ist – für Tiere, die zu einer Überkonditionierung neigen werden - durchaus ein früherer Gruppenwechsel (auch mal mit dem 120. Laktationtag) möglich/sinnvoll, um ein deutliches Verfetten dieser Tiere zum Laktationsende zu vermeiden.

Ergebnis:
Nachdem die Körperkondition der Tiere beim Gruppenwechsel eine stärkere Berücksichtigung fand und einige Tiere damit früher in die Niedrigleistungsgruppe umgestallt wurden, zeigte sich die Herde nach acht Monaten insgesamt deutlich schlanker und wesentlich mehr Tiere in einer optimalen Körperkondition als ein dreiviertel Jahr zuvor. Der Anteil überkonditionierter Kühe sank auf 20 % und das Ausmaß der Verfettung war deutlich geringer geworden (max. BCS-Note 3,75). In Übersicht zwei sind die Ergebnisse grafisch zusammengefasst.

Fazit:
Die Körperkonditionsbewertung ist bei regelmäßiger und gewissenhafter Anwendung ein gutes Hilfsmittel im Fütterungsmanagement.
Der Umfang des Auf- und Abbaus von Körperreserven beeinflusst die Futteraufnahme, die Milchleistung, die Gesundheit sowie die Fruchtbarkeit der Kuh in der Frühlaktation und ist durch Haltung und Fütterung – wie an diesem Beispiel sichtbar wird - im Laktationsverlauf steuerbar.

 

Kommentare zu diesem Artikel ...

Katrin Mahlkow, 12.03.2010, 08:15 Uhr schreibt:
Sehr geehrter Herr Tölle,
grundsätzlich sind Totale Mischrationen nur dann wirklich für die Tiere mit den unterschiedlichsten Leistungen und Laktationsstadien bedarfsgerecht und letztlich auch ökonomisch, wenn dieses Fütterungssystem - zumindest bis zu sehr hohen Herdendurchschnittsleistungen von 10.000 kg und mehr - mit mehreren Fütterungsgruppen durchgeführt wird. Der von mir geschilderte Betrieb arbeitet mit einer TMR für die Hochleistungsgruppe (35 kg) und einer Teilmischration für die 2.Gruppe (auf ca. 25 kg ausgelegt) + Krfatfutter am Automaten.
Es gibt aber auch viele andere Möglichkeiten - entscheidend ist das sonstige Management der Herde und darüber sagt die Körperkondition der Tiere auch viel aus. Das wollte ich letztlich hiermit zeigen.
Wenn Sie noch einige Informationen zum Einstellen von TMR haben möchten, können Sie sich gerne bei mir melden (kmahlkow@lksh.de).
Und was den Einsatz von fetten angeht: es sind bei typischen TMR ohne Fette Energiegehalte von max. 7,3 MJ NEL/kg TM möglich - fast alles hängt am Grundfutter.
Auf geschützte Fette gehen wir max. in Rationen (TMR) für Herden mit >>> 10.000 kg. Aber auch hier gilt es erst alles andere "auszuloten".
Viele Grüße
Katrin Mahlkow
Heinz Tölle, 10.03.2010, 17:13 Uhr schreibt:
Sehr geehrte Frau Dr. Mahlkow,
wenn Sie für die Hochleistungsgruppe, bzw. für die gesammte Herde eine Total Mischration für 30 kg Milch einsetzen, wobei die TM der TMR 40% Plus haben sollte, würden sie alle Leistungsbereiche abdecken, ohne das die Tiere mit minderer Milchleistung verfetten.
Beim Einsatz von 50% Grassilage und 50 % Maissilage (13,5kgTM =65%) sowie ein Ausgleichfutter (35%) aus Rapsschrot, Körnermais, Weizen, Pressschnitzel und Mineralstoffen haben Sie eine Ausgeglichene Ration.
Die Ration hat dann etwa 6,6 - 6,7 Nel, wobei die hochleistenden von dieser Ration die entsprechenden Mengen nach Leistung Aufnehmen, wobei die Tiere mit einer geringeren Milchleistung die dafür benötigten Mengen aufnemen, ohne zu verfetten.

Die Energiekonzentration für (Ihre)die sogenannte Hochleistungsgruppe (über 35 Kg) kann rein Rechnerisch nur über einen Höheren Kraftfuttereinsatz, und mit geschütztem Fett erreicht werden, was ich für höchst bedenklich halte. Der Einsatz mit geschütztem Fett hat bei meinen Betrieben zu keinem Erfolg geführt, es hat nur unnötige Kosten verursacht, genau so der Einsatz mit höheren Kraftfuttergaben.
Die Futterverwertung wurde dadurch wesentlich schlechter.
Je einfacher die Rationsgestaltung je besser der Erfolg hinsichtlich von Milchleistung, sowie Tiergesundheit und Nutzungsdauer.

Mit freundlichen Güßen,
Heinz Tölle

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