Die Gesundheit der Pferde in der Diskussion
Arzneimittel, Impfstrategien und spezielle Krankheitsbilder beim Pferd
Beim diesjährigen Sommersymposium der Akademie für Tiergesundheit e.V. (AfT) standen die Gesundheit der Pferde, ihr Status als Lebensmittel lieferndes bzw. Hobbytier sowie die daraus resultierenden Betreuungs- und Behandlungsmodelle im Mittelpunkt. Mitveranstalter war das Brandenburgische Haupt- und Landgestüt Neustadt/Dosse, das im Rahmen der Tagung auch eine Auswahl von Hengsten, Stuten und Fohlen aus eigener Zucht präsentierte.
Das Pferd als Hobby- und Lebensmitteltier
Obwohl der Verzehr von Pferdefleisch vor allem in Deutschland gegen Null geht, wird das Pferd in der EU uneingeschränkt als Lebensmittel lieferndes Tier eingestuft. Folgerichtig gelten für veterinärmedizinische Maßnahmen die entsprechenden rechtlichen Vorgaben. Diese im Sinne des Verbraucherschutzes getroffene Regelung hat im medizinischen Bereich zu Therapienotständen geführt.
Um eine angemessene Behandlung auch in diesen Fällen zu ermöglichen, wurde im Jahr 2000 eine Sonderregelung eingeführt. Mit Hilfe des sogenannten Pferde- bzw. Equidenpasses kann der Halter den Status seines Tieres als „schlachtbares“ oder „nicht schlachtbares“ Tier selbst bestimmen. Für „nicht schlachtbare“ Pferde ergeben sich daraus größere Behandlungsspielräume für die Arzneimittelanwendungen, auch aufwendige Dokumentationspflichten entfallen. Allerdings ist diese Entscheidung unwiderruflich und hat auch Konsequenzen für eine später notwendige Tötung des Tieres am Ende seines Lebens.
Impfung schützt
Ein hoher Stellenwert wird der Impfprophylaxe eingeräumt. Gegen besonders gefährliche, lebensbedrohende Erkrankungen wie Tollwut und Tetanus findet die Impfung bei den meisten Pferdehaltern bereits gute Akzeptanz. Vom Pferdebesitzer oft weniger beachtete, aber ebenfalls weit verbreitete Infektionen sind z.B. Herpesvirusinfektionen und Influenza. Gerade bei diesen Erkrankungen kommt es aber auf eine möglichst breite, flächendeckende Impfung an, um einen wirksamen Infektionsschutz aufbauen zu können. Auch der Bestandsimpfung muss hier zukünftig mehr Aufmerksamkeit geschenkt werden.
Wenn Bauch und Lunge streiken
Im Rahmen des Symposiums wurden auch die Möglichkeiten der Behandlung weiterer akut oder chronisch auftretender Erkrankungen dargestellt. Zu den schwerwiegendsten Erkrankungen beim Pferd gehört die Kolik. Dieser Begriff umfasst schmerzhafte Zustände im Bauchraum, wobei diesen verschiedenste Ursachen zugrunde liegen können. Die Schwere der Kolik entspricht dabei nicht notwendigerweise dem Schweregrad der Erkrankung. Je nach vorliegender Ursache müssen Koliken sehr schnell nach Auftreten der ersten Symptome behandelt werden. Operative Eingriffe sind möglich und es wurden neue Behandlungstechniken entwickelt, die die Erfolgsquote bei Operationen wesentlich verbessern. Bei rechtzeitiger Entscheidung zur Operation können Erfolgsraten von bis zu 75-80% erreicht werden.
Ein weiteres bedeutendes Problem beim Pferd sind Erkrankungen der Atemwege. Häufig handelt es sich hierbei um chronische Erkrankungen, die schwer oder nicht mehr heilbar sind. Es stehen jedoch eine Reihe wirksamer begleitender Therapie-Maßnahmen zur Verfügung. In erster Linie sind die Haltungsbedingungen zu prüfen und auf eine staubarme Haltungsumgebung zu achten. Auch muss ein dem Krankheitsgrad angepasstes Bewegungsprogramm ausgearbeitet werden. Die artgerechte und gesunde Haltung ist wesentliche Grundlage für den Erhalt oder die Wiederherstellung der Leistungsfähigkeit und eine weitere Nutzung des Tieres.
Spezielle Aufgaben übernimmt die Veterinärmedizin im Bereich der Pferdezucht. Dazu gehören im Rahmen eines Fruchtbarkeitsmanagements z.B. die medizinische Betreuung tragender Stuten, fachgerechte Trächtigkeitsuntersuchungen sowie die medizinische Versorgung der Fohlen.
Quelle: Akademie für Tiergesundheit e.V
