

Wenn keine Kraftfutterstationen vorhanden sind, sollte möglichst die größere Kraftfuttermenge über die Mischration und nur noch eine kleine Menge über die Melkstandfütterung verabreicht werden (Foto Mahlkow-Nerge).

Je größer die Kraftfutterportion je Mahlzeit (am Automaten oder im Melkstand) ist, desto vorsichtiger muss man mit Getreide im Kraftfutter sein (Foto Mahlkow-Nerge).
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UEbersicht_1_RationenKW45_09.pdf
Der aktuelle Rationscheck KW45
Wie kann man mit Hilfe der Rationsgestaltung auf Pansenfunktionsstörungen im Betrieb reagieren?
Ausgangs- bzw. Problemsituation in einem Milchkuhbetrieb
Die Milchkuhherde ist sehr alt. Der Anteil der Erstkalbskühe in der Herde liegt bei 16 %. Die Leistung ist seit mehreren Jahren bei über 10.000 kg Milch. Die Milcheiweißgehalte sind ohne Auffälligkeiten, die Milchfettgehalte sinken seit einigen Wochen (ehemals 3,8 - 3,9 % -> derzeit: 3,4 - 3,5 %); Grafik Milchkontrolldaten → enges Fett : Eiweiß-Verhältnis. Schwankende Eutergesundheit im Herdendurchschnitt.
Probleme bzw. Gründe für Betriebsbesuch:
Azidosegefahr bzw. Pansenfermentations-/-funktionsstörung
Fütterung
- Besteht ein Mangel an strukturwirksamer Rohfaser? Ist dadurch die Wiederkautätigkeit der Tiere eingeschränkt?
- Besteht ein Mangel an direkt Pansen-pH-wirksamen / abpuffernden Substanzen? Hierbei spielen die Mineralstoffe K, Na, Cl und S (DCAB), die Eiweißversorgung und die Wiederkautätigkeit der Tiere ein Rolle.
- Besteht ein Mangel an indirekt pH-wirksamen Substanzen, die einen Einfluss auf den Säure-Basen-Haushalt im Pansen nehmen? Hierbei konzentrieren wir uns v.a. auf die Versorgung (Gehalte der Ration) mit Zucker und Stärke/Nicht-Faser-Kohlenhydraten (NFC).
Das Augenmerk lag in diesem Betrieb auf der Fütterung der laktierenden Kühe:
Teilmischration für 75 Kühe
- 600 kg Grassilage 1.Schnitt 2006 (Rundballen; > 40 % TM) →
entsprechen 8 kg Frischmasse = ~ 3,6 kg TM Grassilage
- 1600 kg Maissilage (~30 % TM) → 21,3 kg Frischmasse = ~ 6,4 kg TM Maissilage
- 300 g Stroh/Tier und Tag
- 3 kg eiweißreiche Vormischung (24 % XP) je Tier und Tag
- 250 g Mineralfutter (7:1)
- Heu zur freien Aufnahme; Annahme des Landwirts: > 6 kg Frischmasse = > 5 kg TM
Rationsdaten dieser Teilmischration:
- Futteraufnahme: fast 19 kg TM
- Milch aus Energie: 25 kg
- Milch aus nXP: 23 kg → Missverhältnis zwischen Energie- und Eiweißlieferung
- UDP: 23 %
- RNB: -18 g
- XF: 21 % i.d.TM
- ADF: 29 % i.d.TM
- NDF: 49 % i.d.TM
- NFC: 27 % i.d.TM
- Zucker+Stärke: 19 % i.d.TM
- DCAB: 83 meq/kg TM
Die leistungsbezogene Kraftfuttergabe (Kraftfutter mit 20 % XP, Energiestufe > 3) erfolgte ausschließlich im Melkstand, da der Betrieb keine Abruffütterung hatte (in der Leistungsspitze: 12 kg → daraus ergab sich eine Kraftfuttermenge von max. 6 kg/Melkzeit) → Pansenazidosegefahr!
Zudem war das Kraftfutter sehr getreide- und damit stärkereich (> 40 % Getreide) → Pansenazidosegefahr!
Merke: Derartige Annahmen, wie in diesem Fall die der Heuaufnahme, sollten grundsätzlich nachgeprüft werden.
Der Landwirt ging von einer insgesamt sehr und wie sich herausstellte, zu hohen Heuaufnahme seiner Tiere aus. Tatsächlich (ermittelt durch das Wiegen eines Heuballens) ergab sich eine durchschnittliche Heuaufnahme von 3 kg/Tier und Tag. Diese Menge erscheint deutlich plausibler.
Damit wies die von den Tieren bislang tatsächlich aufgenommene Ration folgende Rationsdaten auf:
- Futteraufnahme: 16 kg TM
- Milch aus Energie: 20,1 kg
- Milch aus nXP: 20,1 kg
- UDP: 23 %
- RNB: -20 g
- XF: 20 % i.d.TM
- ADF: 27 % i.d.TM
- NDF: 47 % i.d.TM
- NFC: 29 % i.d.TM
- Zucker+Stärke: 21 % i.d.TM
Empfohlene Rationsveränderungen zur Reduzierung der Pansenazidosegefahr
- Austausch der bislang gefütterten 3 kg Vormischung mit 24 % XP gegen 2,5 kg Vormischung mit 33 % XP
- diese Vormischung (eiweißreiches Ausgleichsfutter) hat einen höheren Eiweißgehalt aufgrund des höheren Anteils an Eiweißträgern (Raps- und Sojaextraktionsschrot, Rapsexpeller)
- Teilmischration wird darüber hinaus weiter mit einem Milchleistungsfutter (20 % XP, Energiestufe >3) aufgewertet (3 kg/Tier und Tag)
- damit erhöht sich die Energie- und Eiweißlieferung dieser Mischration am Futtertisch bereits auf 26 kg Milch (siehe Rationsberechnung), so dass die individuell noch zu verabreichende Kraftfuttermenge deutlich reduziert werden kann
- die einerseits insgesamt hohe Milchleistung und andererseits die Körperkondition der Tiere (bislang 70 % der Tiere optimal, 30 % der Tiere unterkonditioniert) lassen diese weitere Aufwertung der Teilmischration mit einer gesamten Kraftfuttermenge von 5,2 kg/Kuh und Tag zu
- darüber hinaus werden dann je nach Leistung noch max. 6-7 kg Kraftfutter verabreicht, d.h. max. 3-3,5 kg je Melkzeit (allerhöchstens! und immer unter Beachtung des Fress- und Wiederkauverhaltens der einzelnen Tiere)
- Da in diesem Betrieb keine Abruffütterung vorhanden war, sondern das gesamte tierindividuell zu verabreichende Kraftfutter ausschließlich im Melkstand gegeben wurde, war das oberste Ziel, diese Kraftfuttermenge möglichst zu verringern
- Bei der Wahl eines geeigneten Kraftfutters für die Melkstandfütterung wurde berücksichtigt, dass dieses möglichst keinen hohen Getreideanteil (Getreide liefert viel schnell abbaubare Stärke und verschärft, besonders dann, wenn Tiere innerhalb kurzer Zeit große Mengen davon aufnehmen, das Pansenazidoseproblem) aufweist, sondern stattdessen eher höhere Anteile an Trockenschnitzeln (liefern hoch verdauliche Zellwände – „pansenfreundlich“) und Körnermais (liefert zwar ebenfalls viel Stärke, aber diese ist deutlich pansenstabiler und im Pansen langsamer abbaubar und somit nicht so azidosegefährdend wie Getreidestärke)





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