Der aktuelle Rationscheck KW 04
Wie kann man mit Hilfe der Rationsgestaltung auf einen starken Milchleistungsrückgang im Betrieb reagieren?
Ausgangs- bzw. Problemsituation in einem Milchkuhbetrieb
- mangelhafte Milchleistung (7.000 kg) bzw. starker Leistungsrückgang (von ehemals 8.500 kg), bedingt durch eine seit längerer Zeit massive Überbelegung (bis zu 150 %!)
Für die laktierenden Milchkühe steht ein Boxenlaufstall mit 61 Liegeboxen, der z.Z. mit 71 Kühen belegt ist, zur Verfügung. Die Überbelegung mindert die Leistungsfähigkeit von den Kühen.
Der Stall verfügt über zwei Trogtränken, die Reinigung erfolgt 14tägig. Die Reinigung muss jedoch häufiger (im Winter 2x/Woche, im Sommer täglich) erfolgen, da die notwendige Wasseraufnahme nur dann gewährleistet wird, wenn das Wasser stets sauber ist. Für eine hohe Futteraufnahme benötigen laktierende Kühe im Winter im Mittel ca. 80 l, im Sommer ca. 90-110 l Wasser!
Tiefliegeboxen
Die Tiefliegeboxen werden mit Sägemehl eingestreut, alle 2-3 Wochen wird nachgestreut. Die Boxen sollten unbedingt tägliche gereinigt werden (d.h.: Kot der Tiere entfernen) und mindestens 1x wöchentlich nachgestreut werden. Durch ein häufigeres Nachstreuen wird die Liegedauer der Tiere erhöht und damit v.a. die Klauen- und Gliedmaßengesundheit verbessert (eine Liegebox muss trocken und sauber sein!) – eine wichtige Voraussetzung für das Wohlbefinden und letztlich für die Leistungsfähigkeit der Tiere.
Milchkuhherde:
Die Körperkondition ist allgemein eher unterkonditioniert
- mangelnde Körperfettreserven
- schlechtes Durchhaltevermögen der Tiere
Futteraufnahme:
Der Pansenfüllungszustand vieler Tiere ist unzureichend.
Ursachen sind: mangelhafte Grundfutterqualität (minderwertige Wiesengrasbestände, viel Quecke) und Nacherwärmung der Grassilage.
- Grünlandmanagement verbessern: Neuansaaten alle 3-4 Jahre (bislang: 8 Jahre); neue Gräsersorten zeichnen sich durch deutlich höhere Erträge einerseits und durch eine bessere Futterqualität (energie- und zuckerreicher) aus; Letzteres erhöht auch die Siliersicherheit
- Nacherwärmung durch bessere Verdichtung verhindern
Der Kraftfuttereinsatz ist zu hoch, es erfolgt keine bedarfsangepasste Kraftfutterzuteilung -> Pansenazidosegefahr!
Gesundheit:
Es gibt keine Auffälligkeiten bezüglich der Klauengesundheit und der Kotkonsistenz. Vereinzelt haben einige Tiere ein struppiges Fell. Es gibt keine gehäuften Probleme mit Nachgeburtsverhalten und Milchfieber.
Fruchtbarkeit:
Bei Kühen wird max. 2x besamt, danach erfolgt die Belegung durch einen Deckbullen; 90 Tage Rastzeit
Fütterung:
Grundfutter: ausschließlich Grassilage, wird mit dem Futterverteilwagen 1x täglich vorgelegt, 4 x Herangeschoben.
Ddurch eine 2malige Futtervorlage des Grundfutters am Tag könnte das Problem der Erwärmung der Silage auf dem Futtertisch verringert werden.
Kraftfutter:
1. 2x1,5 kg (Sondermischung: 80 % Getreide, 18 % Trockenschnitzel, Rest Mineralfutter + Aminoprotek)
Zusammensetzung:
Vitamin A: 40.000 IE/kg
Vitamin D3: 5.000 IE
Vitamin E: 250 mg
40 mg Cu, 2 mg Se
1,85 % Ca, 0,5 % P, 0,4 % Na, 0,35 % Mg
6,8 MJ NEL, 8,8 % XP, 1,8 % XL, 4,2 % XF, 9,1 % XA
Der Landwirt verfolgte mit diesem Kraftfutters v.a. das Ziel einer ausreichenden Mineralstoffversorgung der Tiere.
2. Kraftfutter am Automaten: nach Leistung
Anfütterung: Ein Tag nach der Kalbung: 5 kg
Diese Kraftfuttergabe ist sehr hoch, da die Tiere in den ersten 2-3 Tagen nach der Kalbung oft erst 10-12 kg TM fressen (damit bestünde bei dieser Kraftfuttermenge eine Azidosegefahr).
Danach wird alle 3 Tage eine Kraftfuttersteigerung um 1 kg bis zu einer max. Einsatzmenge von 9 kg/Tier und Tag (max. 2,1 kg/Mahlzeit) vorgenommen.
Die maximale Kraftfuttermenge wird 2 Monate gegeben, danach erfolgt die Abfütterung nach Leistung.
Für die 71 Kühe stehen zwei Stationen zur Verfügung.
Ration der laktierenden Kühe
Die Grundration (Grassilage + 0,5 kg Glycerin + 2x1,5 kg Kraftfutter im Melkstand) ist hinsichtlich Energie und Eiweiß nicht ausgeglichen, es fehlt Eiweiß (besonders nXP; der RNB ist sehr hoch) im Vergleich zur Energielieferung (Ration 1).
Dieses Problem wird nicht geringer, sondern tendenziell noch größer (auch weiterhin steigende RNB), wenn die Tiere Anrecht auf Kraftfutter (20/4) am Automaten haben (Ration 2 – mit einer durchschnittlichen Menge von 3 kg und Ration 3 – mit einer Menge von 7 kg). Die Natrium-, Kalzium- und Phosphorversorgung aus der Grundfutterration liegt deutlich oberhalb der Bedarfsdeckung (Tiere mit einer Milchleistung um 20 kg erhalten für 38 kg Milch Ca, für 34 kg Milch P und für 55 kg Milch Na). Die Kraftfuttermischung im Melkstand müsste ~ 20 % Rapsextraktionsschrot beinhalten, um die Grundfutterration energie- und eiweißseitig auszubilanziere. Weiterhin sollte mittels dieser Kraftfuttermischung versucht werden, die RNB weiter abzusenken (Tipp: wenig, aber geschütztes Eiweiß!)
Wenn der Mineralstoffausgleich der Grundfutterration nicht, wie üblich durch ein Mineralfutter, sondern wie hier durch die Kraftfuttermischung im Melkstand erfolgen soll, ist einerseits darauf zu achten, dass alle Tiere (auch diejenige Kuh, die am Ende der Laktation eigentlich keinen Anrecht mehr auf Kraftfutter hätte) diese Mineralstoffzufuhr erhalten müssen, um ausreichend mit Mineralstoffen (v.a. Spurenelemente und Vitamine) versorgt zu werden und dass dieses Kraftfutter solch eine Mineralstoffkonzentration enthält, dass damit die Grundfutterration ausbilanziert ist.
Deutlich besser ist es, einen Mineralstoffausgleich des Grundfutters durch ein übliches, für diese Grundration geeignetes Mineralfutter („Mineralfutter für grasreiche Rationen“), anstatt durch ein extrem hoch mineralisiertes Kraftfutter vorzunehmen.
Ration der Trockensteher
Alle Trockensteher werden in einer Gruppe gehalten und gefüttert.
Fütterung: Grassilage + 3 kg Kraftfutter (20/4) + ½ kg Kraftfutter (Sondermischung; um die Mineralstoffversorgung sicherzustellen)
Die Ration ist zu energie- und eiweißreich, deckt den Bedarf an Spurenelementen nicht und ist zu Ca-, P- und Na-reich (Ration 4)
Trockensteher bis 14 Tage vor der Kalbung sollten kein Kraftfutter erhalten; zumindest muss unbedingt darauf geachtet werden, dass die Ration einen Energiegehalt von max. 5,7 MJ NEL/kg TM und einen Eiweißgehalt von 12-max.14 % nicht überschreitet. Würden diese 3 kg Kraftfutter aus der Ration herausgenommen und die Ration damit nur aus der Grassilage + 0,5 kg der Melkstandmischung bestehen (Ration 5), wäre weiterhin die Ca-, P- und Na-Versorgung zu hoch, die Versorgung mit Spurenelementen aber zu niedrig; deshalb müsste ein Ca-freies Trockenstehermineral eingesetzt werden (70 g/Tier und Tag). Die Trockensteher sollten in den letzten 14 Tagen vor der Kalbung dann noch 2-3 kg Kraftfutter (18/3) am Kraftfutterautomaten erhalten.
Als grundlegende Ursache für die mangelhafte Leistung bzw. den Leistungsrückgang wurde neben der Überbelegung und dem damit verursachten enormen sozialen Stress der Tiere eine schlechte Grundfutterqualität und eine insgesamt fehlerhafte Rationsgestaltung der laktierenden und trockenstehenden Kühe angesehen.




Kommentare zu diesem Artikel ...
Bisher sind keine Kommentare zu diesem Artikel verfasst worden.