
Fotos (Mahlkow-Nerge): Rinder können ohne eine regelmäßig vorgenommene Klauenkorrektur nicht dauerhaft auf Betonboden gehalten werden. Ein 2-3maliger professioneller Klauenpflegeschnitt ist zwingend notwendig.

Gerade gras- und besonders weidegrasbetonte Rationen sollten mit wenig, aber dafür geschützten Eiweißträgern kombiniert werden.
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Der aktuelle Rationscheck KW 01
Wie kann man mit Hilfe der Rationsgestaltung auf Probleme, besonders im Hinblick auf die Klauengesundheit reagieren?
Ausgangs- bzw. Problemsituation in einem Milchkuhbetrieb
92 Schwarzbunte Milchkuhherde mit einer Herdendurchschnittsleistung > 10.000 kg, einer steten Leistungssteigerung, einer guten Persistenz, Eutergesundheit und Fruchtbarkeit
Probleme: Die Klauengesundheit ist nach Angaben des Betriebsleiters nicht zufrieden stellend: „Viele Kühe müssen im Laufe des Jahres zweimal, manche sogar dreimal geschnitten werden.“
Betriebsrundgang: zum Zeitpunkt der Beratung befanden sich alle laktierenden Kühe und Jungrinder ab ½ Jahr auf der Weide. Die Milchkühe hatten von 11:00-16:30 Uhr und 22:00-5:30 Uhr Weidegang, dabei aber ständig Zugang zum Stall und damit zur Teil-Mischration.
Milchkühe:
- optimale Körperkondition
- glattes Fell
- keine Klauen- und Gliedmaßenprobleme erkennbar (abgesehen von 2 Kühen mit dicken vorderen Gelenken und 2 lahmen Kühen)
- eine zweimalige regelmäßige Klauenpflege wird seit 1,5 Jahren nicht mehr durchgeführt, da der Betriebsleiter vom Erfolg/von der Notwendigkeit dieser Maßnahme in der Vergangenheit nicht überzeugt wurde
- die Dokumentation der selbst durchgeführten Klauenpflege ergab für den Zeitraum von 11 Monaten:
- bei 26 Kühen (= 28 % des gesamten Kuhbestandes) erfolgte keine Klauenpflege
- bei 44 Kühen (= 48 % des gesamten Kuhbestandes) erfolgte eine einmalige Klauenpflege
- bei 14 Kühen (= 15 % des gesamten Kuhbestandes) erfolgte eine zweimalige Klauenpflege mit einem durchschnittlichen Klauenpflegezwischenintervall von 4,5 Monaten (Spanne: 1,5 bis 9,5 Monate) bei 6 bzw. 2 Kühen (= insgesamt 9 % des gesamten Kuhbestandes) musste drei- bzw. viermal während dieses Zeitraumes ein Klauenschnitt/Korrektur erfolgen; hier betrug das durchschnittliche Klauenpflegezwischenintervall 3 Monate, wobei sich diese Tiere zum einen durch eine insgesamt sehr hohe Leistung, zum anderen durch eine extrem hohe Leistung zu Laktationsbeginn auszeichneten.
-> 94 % aller Kühe erhielten max. eine zweimalige Klauenpflege; das zeugt von einer sehr guten Klauengesundheit.
Bei Kälbern sind die äußeren Zehen an Hintergliedmaßen länger und können deshalb mehr Last aufnehmen als die innere Zehen (genetisch ist diese ungleiche Lastverteilung vorgegeben). Dadurch erfolgt ein vermehrter Wachstumsreiz der stärker belasteten Klaue. Es folgt eine unsymmetrische Entwicklung der Klauenform an den Hintergliedmaßen: die stärker belastete Außenklaue wird (v.a. auf hartem Boden) größer und höher als die Innenklaue. Dadurch nimmt sie dann noch mehr Gewicht auf, was den Wachstumsreiz weiter verstärkt. Es entsteht ein Teufelskreis.
Rinder können ohne regelmäßig vorgenommene Klauenkorrekturen (2-3 x pro Jahr: Klauenhorn von Kühen wächst ~ 5 mm/Monat) nicht dauerhaft auf Betonboden gehalten werden.
Deshalb die Empfehlung:
regelmäßige professionelle Klauenpflege mindestens 2x pro Jahr bei allen Kühen und Färsen in der Laktation (grundsätzliche Forderung bei dem sehr hohen Leistungsniveau) und Jungrinder in den letzten 3-4 Monaten vor der ersten Kalbung (damit sie in die schwierigste Phase mit gesunden Klauen starten) -> dient der Klauenkorrektur.
Darüber hinaus Klauenpflege bei allen Tiere zum Trockenstellen, damit sie in die schwierige Phase der Frühlaktation mit gesunden Klauen starten.
Zusätzlich Klauenschnitt bei allen Tieren je nach Bedarf (setzt das tägliche Beobachten des Laufverhaltens der Tiere voraus).
Fütterung:
Laktierende Kühe:
Teil-Mischration:
78 % Grassilage
22 % Maissilage (auf Frischmasse bezogen)
+ 3 kg Getreide
+ 3 kg Vormischung (45 % Sojaschrot, 35 % Rapsschrot, 20 % Trockenschnitzel)
+ 600 g Stroh
+ 300 g Melasse
+ 80 g Kalk
+ 70 g Mineralfutter
+ 30 g Futterharnstoff
laut Angaben des Betriebsleiters nehmen 77 Tiere täglich 3100 kg dieser Teil-Mischration auf à 40 kg Frischmasse à ~18-18,5 kg TM, für ~ 25 kg Milch (Übersicht 1)
- hohe RNB (v.a. durch den Futterharnstoff)
- hoher TM-Gehalt (Selektionsgefahr besteht)
diese Ration auf dem Futtertisch hatte eine gute Struktur (Ladewagengrassilage)
Weidegang: 11:00-16:30 Uhr, 22:00-5:30 Uhr: ~ 12 h; da die Tiere aber nach Angaben des Betriebsleiters bereits ~18 kg TM von der Teil-Mischration im Stall fressen, dürfte eine angenommene Weidegrasmenge von 2 kg TM realistisch erscheinen.
Individuelle Kraftfuttergabe am Automaten (Standardmilchleistungsfutter 18/3): im Mittel aller Kühe 3 kg -> Übersicht 2 (Grundfutterverdrängung berücksichtigt): 21 kg TM, für 30-31 kg Milch
- sehr hohe RNB (verstärkt durch Weidegras)
- sehr geringes UDP (für diese Leistung zu wenig)
Spitzentiere erhalten bis zu 6 kg dieses Milchleistungsfutters -> Übersicht 3 (Grundfutterverdrängung berücksichtigt): > 23 kg TM, für ~37 kg Milch
Ration ist energie- und nXP-seitig nicht ausgeglichen, zu geringe nXP-Versorgung (besonders für Tiere in der Früh-/Beginn der Hochlaktation: bauen noch verstärkt Körperfett ab und erzielen daraus mehr Energie als Eiweiß)
- sehr geringes UDP (für diese Leistung viel zu wenig)
- sehr/zu hoher Zuckergehalt
Rationsveränderung für laktierende Kühe (Übersicht 4):
an der Zusammensetzung der Grundfutterration (grasbetont) konnte keine Veränderung vorgenommen werden, da die Silovorräte des Landwirts dieses nicht zuließen (optimalerweise würde man in Kombination mit Weidegang/-fütterung die Stallration maisbetonter gestalten, um zum einen die N-Überschüsse aus dem Weidegras „abzufedern“ und zum anderen etwas langsam abbaubare Stärke in die Ration zu bekommen).
Die Mischration kann noch stärker mit Kraftfutter aufgewertet werden, da die sehr hohe Leistung in Kombination mit der Körperkondition der Tiere (auch die Altmelker waren nicht überkonditioniert) dieses zuließ.
Vormischung wurde in der Zusammensetzung etwas geändert (34 % Sojaschrot, 30 % Rapsschrot, 36 % Trockenschnitzel), dafür aber mit einer größeren Menge eingesetzt.
Futterharnstoff wurde herausgenommen, um die RNB nicht noch weiter anzuheben (ist durch die grassilagereiche Ration in Kombination mit dem Weidegras ohnehin schon sehr hoch).
Melasse wurde herausgenommen, um den ohnehin schon hohen Zuckergehalt (durch die zuckerreiche Grassilage in Kombination mit dem zuckerreichen Weidegras und den melassierten Trockenschnitzeln in der Vormischung) nicht noch weiter anzuheben.
Um die Rohproteinversorgung insgesamt begrenzen zu können, die nXP-Versorgung aber bedarfsgerecht einzustellen, sollte bei einer so hohen Leistung einerseits und in Kombination mit einer grasbetonten Ration mit Weidegang andererseits unbedingt ein geschützter Eiweißträger (in diesem Fall mind. 1 kg geschützter Rapsexpeller; genauso würde sich auch geschütztes Soja- bzw. Rapsschrot eignen) mit in die Ration eingebaut werden.
Das noch zusätzlich am Automaten verabreichte Kraftfutter sollte ein Milchleistungsfutter 20/3 sein (ein 18/3 ist hinsichtlich Energie- und Eiweiß-/nXP-Lieferung nie ausgeglichen; der Ausgleich hat immer bei der Grundration bzw. Mischration auf dem Futtertisch zu erfolgen; darüber hinaus erhalten die Tiere dann ein in sich ausgeglichenes Kraftfutter am Automaten); die Durchschnittskuh erhält 1 kg, Spitzenkühe max. 3 kg.