Darmstabilität ? ein Erfolgsfaktor
Kokzidiose bleibt Bedrohung Nummer 1
Im Rahmen einer Putenfachtagung der Firma Elanco Animal Health machte Prof. Dr. H. Mohamed Hafez, Direktor des Institutes für Geflügelkrankheiten der Freien Universität Berlin, deutlich, wie wichtig eine gesunde Darmfunktion für die Leistung der Puten ist. �Die Folgen einer Darmerkrankung sind in jedem Fall ein zu geringes Gewicht der Tiere, eine schlechtere Futterverwertung und damit mehr Kosten, aber auch eine erhöhte Mortalität kann je nach Schwere der Erkrankung auftreten.� Als eine der bedeutendsten Darmerkrankungen in deutschen Putenställen nannte er die Kokzidiose.
Kein Stall kokzidienfrei
Kokzidiose sei eine von einzelligen Parasiten (Kokzidien) hervorgerufene Krankheit, die die Darmschleimhaut zerstöre, so Hafez. Die Infektion beschränke sich jeweils nur auf bestimmte Abschnitte des Darmtraktes. Als Folge treten Wachstumsdepression, Kükenverluste und eine schlechtere Futterverwertung auf. Kokzidien seien sehr widerstandsfähig und könnten unter optimalen Bedingungen für lange Zeit in der Außenwelt überleben. Diese Widerstandsfähigkeit und hohe Vermehrungsraten seien für eine schnelle Kontamination der Umgebung mit infektiösen Oozysten verantwortlich. Feuchte Einstreu, vor allem im Tränkebereich, fördere die Entwicklung der Kokzidien. Aber auch durch optimale Haltungsbedingungen lasse sich das Auftreten einer Kokzidiose nicht sicher vermeiden. �Viele Desinfektionsmittel wirken nicht gegen Kokzidien, und letztendlich vermindert die Desinfektion nur den Infektionsdruck, einen zu 100 Prozent kokzidienfreien Stall wird es nicht geben�, so der Wissenschaftler.
Präparate prüfen
Es gebe verschiedene Kokzidienarten, so Hafez weiter. Bei der Pute seien sieben Spezies bekannt, sie alle gehörten zur Gattung Eimeria. Die Immunität gegen Kokzidien sei artspezifisch. Auch Puten, die sich an das stalleigene Kokzidienspektrum gewöhnt hätten, könnten bei Einschleppung einer neuen Kokzidienart ernsthaft erkranken. Zur Behandlung eigneten sich Präparate, welche die normale Darmflora unbeeinträchtigt ließen und die Bildung einer Immunität gegen Kokzidien nicht behinderten. Dies treffe für den Wirkstoff Toltrazuril zu. Der Einsatz von Sulfonamiden berge die Gefahr der Resistenzentwicklung sowie unerwünschter Wirkungen auf die bakterielle Darmflora. Am besten beuge man der Kokzidiose mit Kokzidiostatika vor, so Hafez, die futtermittelrechtlich zugelassen seien. Diese würden mit dem Futter zur Verhütung der Kokzidiose verabreicht. �Es gibt Ionophore (z.B. ELANCOBAN mit dem Wirkstoff Monensin) und chemische Produkte, die bereits der Futtermischung zugesetzt werden. Alle sechs bis acht Monate sollten die Präparate gewechselt werden, um einer Resistenzbildung entgegenzuwirken. Für die Zukunft besteht die Aussicht auf einen Impfstoff, der aber derzeit noch nicht in Deutschland zugelassen ist.�
Dr. Heike Engels (agrar-press)
Quelle: agrar-press