Bild 1: Energie, Eiweiß und Mineralstoffe müssen aufeinander abgestimmt sein, um hohe Zunahmen zu erreichen.

Bild 2: Trockensubstanzgehalt, Verdichtung und Vorschub müssen stimmen, damit die Silage schmackhaft bleibt und eine hohe Futteraufnahme erreicht wird.


Fachartikel
26.02.2010

Bullenmast: Mit hohen Zunahmen Geld verdienen!

Bullen werden heute mit einem deutlich höheren Gewicht am Schlachthof abgeliefert als das noch vor einigen Jahren der Fall war. Die Wertschöpfung bei der Vermarktung von Schlachtrindern steigt, wenn nicht nur Rinderhälften, sondern zerlegte Waren vom Schlachthof verkauft werden.

Das gilt auch für die Schwarzbunten Bullen, die vielleicht doch besser sind als ihr Ruf, vorausgesetzt sie sind schwer genug. Ein Anlieferungsgewicht von 680 bis 700 kg ist kein Problem. Im Gegenteil, die Tiere sind besser bemuskelt als leichtere und der Anteil der in P klassifizierten Tiere ist minimal. Für Kreuzungstiere und insbesondere für die ausgemästeten Absetzer aus der Mutterkuhhalter sind höhere Schlachtgewichte bis über 400 kg noch viel weniger ein Problem.

Was ist, wenn das Gewicht stimmt, aber das Alter nicht?

Egal über welche Rasse wir sprechen, interessant ist es, einen Blick auf das Alter der Tiere zu werfen. Viele schrammen gerade noch an der 24-Monatsgrenze vorbei und können damit verhindern, nicht als Altbulle abgerechnet zu werden. An dieser Stelle muss jedoch die Frage gestellt werden, ob mit diesen Tieren noch Geld verdient wurde.

Die höchsten Kosten in der Mast sind die Futterkosten, und die werden bestimmt durch den Futteraufwand für Erhaltung und für den Zuwachs. Der Bedarf für die Erhaltung hängt hauptsächlich vom Gewicht des Tieres ab und wird zuerst gedeckt. Das was übrig bleibt, geht in die Leistung. Mit geringer werdenden Zunahmen steigt entsprechend der Anteil für den Erhaltungsbedarf an der Gesamtenergieaufnahme an (siehe Grafik).

Nehmen wir als Beispiel zwei Bullen, die mit einem gleichen Schlachtgewicht von 380 kg abgerechnet wurden. Sie haben den gleichen Erlös erbracht, aber einer der beiden war knapp 24 und der andere etwas mehr als 19 Monate alt. Diese vier Monate Unterschied bedeuten alleine etwa 100 Euro höhere Kosten für den Erhaltungsbedarf des älteren Bullen. Hinzu kommt, dass auf dem Mastplatz des jüngeren Tieres bereits vier Monate ein neues Tier gemästet werden konnte. Das entspricht zusätzlichen direktkostenfreien Leistungen von etwa 60 Euro. Das wären zusammen bereits 160 Euro. Weitere Differenzen, wie sie sich zum Beispiel aus der Verzinsung des eingesetzten Viehkapitals oder aus zusätzlichen Stallplatzkosten für eine längere Haltungsdauer ergeben, sind hier noch nicht berücksichtigt.

Dies alleine sollte Grund genug sein, höhere Zunahmen in der Bullenmast anzustreben und die Mastdauer bei gleichem Schlachtgewicht durch höhere Zunahmen zu verkürzen. Aus einer solchen intensiveren Mast ergeben sich zudem auch noch positive Nebeneffekte für den Verbraucher, für den wir letztendlich produzieren. Es sind: Je kürzer die Mastdauer ist, desto zarter ist das Fleisch nach der Reifung und da für Käufer an der Fleischtheke auch optische Gründe eine wichtige Rolle spielen, muss bedacht werden, die Fleisch- und Fettfarbe ist bei jüngeren Tiere wiederum heller als bei älteren und danach wird auch beim Kauf geachtet.

Eiweißversorgung sicherstellen

Meyer, U. und Lebzien, P. (2005) von der FAL in Braunschweig führten Untersuchungen zur Proteinversorgung von Schwarzbunten Mastbullen durch. In diesem Versuch wurden 62 Versuchstiere entsprechend den Energiebedarfswerten der GfE von 1995 versorgt. Der Rohproteingehalt variierte. Die Ergebnisse zeigen, dass eine Unterversorgung mit Rohprotein besonders in den ersten Mastabschnitten ein Problem darstellt. Als Grund kann hierfür die noch nicht ausreichende Produktion von Pansenmikrobenprotein angesehen werden. Aber auch zum Ende der Mast scheint sich eine leicht über der Bedarfsnorm liegende Proteinversorgung noch positiv auf die täglichen Zunahmen auszuwirken.  Soja- und Rapsextraktionsschrot sind dabei in der Bullenmast als nahezu gleichwertige Eiweißquellen anzusehen. Aus wirtschaftlicher Sicht besitzt das Rapsextraktionsschrot seit längerem deutliche Vorteile.

Auch bei den fleischbetonten Rassen, zu denen in diesem Fall auch das Fleckvieh zu zählen ist, wird seit längerem an der Überarbeitung der Versorgungsempfehlungen gearbeitet. Steinwidder u.a. (2005) untersuchten in diesem Zusammenhang den Einfluss des Protein / Energieverhältnisses auf die Mast- und Schlachtleistungen von Fleckviehbullen.  Bis zu einem Gewichtsabschnitt von 275 kg lässt sich nach Meinung der Autoren durch eine Erhöhung des UDP-Anteils eine Verbesserung der Zunahmen erreichen. Diese Aussagen können auch durch eigene Versuche bestätigt werden, die von der Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein mit Schwarzbunten Bullen durchgeführt wurden und zu signifikant höheren Zunahmen beim Einsatz von geschütztem Rapsschrot im Kraftfutter in den ersten sechs Lebensmonaten geführt haben.

Eine gute Futterqualität erhöht die Futteraufnahme! Entscheidend für eine hohe Futteraufnahme und damit hohe tägliche Zunahmen ist neben dem richtigen Energie-Proteinverhältnis in der Ration die Qualität der eingesetzten Futtermittel. Insbesondere die Qualität der Silagen ist dafür ausschlaggebend. Dazu sollte beim Silieren von Mais darauf geachtet werden, dass er in einer Höhe von mindestens 30 cm geschnitten wird, um Verschmutzungen und Verpilzungen zu vermeiden und die Energiedichte zu erhöhen. Eine zweimalige Futtervorlage pro Tag stellt sicher, dass die Qualität im Silo auch bei den Tieren ankommt. Nicht vergessen werden darf, dass mit ansteigendem Trockenmassegehalt nicht nur die Energiedichte in der Maissilage steigt, sondern auch die Futteraufnahme der Tiere und damit die Täglichen Zunahmen, wie die Untersuchungen von Schwarz aus dem Jahr 1990 eindrucksvoll zeigen (Tabelle 1).

Tabelle 1: Trockenmasseaufnahme von Fleckviehbullen je Tier und Tag in Abhängigkeit vom Trockemassegehalt der Maissilage              

Maissilage

Lebendmasse (kg)

TM-Gehalt

MJ ME

200

400

600

27%

10,6

4,4

7,0

8,5

31%

10,8

4,6

7,2

8,7

35%

11,2

4,8

7,4

8,9

(nach Schwarz 1990)

Mineralstoffe beeinflussen die Futteraufnahme!

Auf eine ausreichende Mineralisierung, insbesondere mit dem Spurenelement Kobalt, ist in der Rindermast unbedingt zu achten. Die Gehalte im Kraftfutter reichen in der Regel nicht aus, um den Bedarf zu decken. Die Grundfuttergehalte können vernachlässigt werden. Wird anstelle eines Rindermastfutters möglicherweise Milchleistungsfutter an die Bullen gefüttert, ist die Mineralstoffversorgung noch einmal deutlich schlechter. Versuche, die von Stangl, Schwarz und Kirchgeßner durchgeführt wurden, zeigen, dass es zu einer deutlichen Minderung der Futteraufnahme und den damit verbundenen täglichen Zunahmen kommt, wenn Kobalt in nicht ausreichender Menge zur Verfügung steht. Mangelerscheinungen haben die Autoren bereits bei Unterschreitungen von 17 Prozent der Kobalt-Bedarfswerte festgestellt. Die Empfehlung lautet: Pro kg Gesamtfuttertrockenmasse in der Ration sollten mindestens 0,25 mg Kobalt (Co) enthalten sein. Dafür ist eine Überprüfung des Kraftfutters und eine entsprechende Ergänzung über Mineralfutter notwendig.

Fazit

Hohe Zunahmen setzen eine Rationsgestaltung voraus, die den unterschiedlichen Energie-, Protein und Mineralstoffbedarf in den einzelnen Mastabschnitten berücksichtigt. Für hohe Zunahmen ist ebenso eine hohe Futteraufnahme notwendig, die durch folgende Dinge beeinflusst werden kann: Die Ration muss schmackhaft sein. Dafür ist ein guter Silierprozess Voraussetzung. Hinzu kommt, dass eine gute Grassilage aufgrund ihrer Schmackhaftigkeit eine Maissilageration aufwerten kann und damit die Futteraufnahme steigert. Auch ein hoher Trockensubstanzgehalt in der Gesamtration (Maissilage 30 bis 35 Prozent) erhöht die Futteraufnahme ebenso wie eine ausreichende Mineralisierung, insbesondere mit dem Spurenelement Kobalt. Mit den so zu erreichenden hohen Zunahmen können Mastbullen mit 20 Monaten auf ein optimales Schlachtgewicht von 380 bis 400 kg gebracht werden.

 

Dr. Hans-Jürgen Kunz, Landwirtschaftskammer

 

Tel. 04381/90 09 – 48