
Tabelle 1: Leistungskennzahlen bei Rangierung nach unterschiedlichen Kriterien

Tabelle 2: Leistungskennzahlen der Betriebe mit 26 bis 28 abgesetzten Ferkeln nach dem ökonomischen Ergebnis

Abbildung 1: Direktkostenfreie Leistung (DKfL) in Abhängigkeit von der Ferkelzahl (um andere Einflussfaktoren korrigierte Werte)

Abbildung 2: Beziehung (Korrelationen) zwischen einigen ausgewählten Kennzahlen in der Schweinemast
Biologie und Ökonomie in Ferkelerzeugung und Mast: Was zeichnet Spitzenbetriebe aus?
Die Betriebsabschlüsse der Erzeugerringe bzw. Spezialberatungen aus den westlichen Bundesländern von Baden-Württemberg bis Schleswig-Holstein werden jährlich in die zentrale Datenbank der Erzeugerringe eingegeben und ausgewertet.
Bereits im letzten Wirtschaftsjahr waren gut 1.300 Ferkelerzeuger und knapp 2.600 Mastbetriebe mit ihren biologischen und ökonomischen Daten vertreten. Die beteiligten Organisationen arbeiten schon seit vielen Jahren unter dem Dach des Zentralverbandes der deutschen Schweineproduktion (ZDS) zusammen und konzentrieren ihre unter einheitlichen Vorgaben erfassten Daten zur Gesamtauswertung im Institut für Tierwissenschaften der Universität Bonn. Somit besteht innerhalb dieser Organisationen viel Erfahrung in der Erfassung, Auswertung und Interpretation verschiedener Fragestellungen. Die Datenbank bietet eine breite Datengrundlage auf der fundierte Aussagen zu verschiedenen Fragestellungen getroffen werden können.
Was ist ein Spitzenbetrieb?
Festzuhalten ist: um ein gutes ökonomisches Ergebnis zu erzielen, müssen auch gute biologische Leistungen vorliegen. Allerdings ergibt sich je nachdem, welche Kriterien in den Vordergrund gestellt werden, sowohl in der Ferkelerzeugung als auch in der Mast eine unterschiedliche Rangierung der Betriebe. Werden die 10 Prozent oder 25 Prozent besten Betriebe nach verschiedenen Kriterien sortiert, zeigt sich, dass Biologie und Ökonomie in den Einzelbetrieben nicht immer in die gleiche Richtung laufen (Tabelle 1). Häufig sind die biologischen Leistungen, wie die Zahl der abgesetzten Ferkel oder die Tageszunahmen, im Blickpunkt.
Dabei ist letztendlich die Ökonomie bis hin zur Vollkostenrechnung das entscheidende Maß. Doch was ist der entscheidende ökonomische Parameter? Die Betriebe haben ganz unterschiedliche Voraussetzungen für ihre Produktion. Neben der Region spielt die Faktorausstattung (Arbeit, Boden und Kapital) eine wichtige Rolle. Ein großer Betrieb hat eine andere Zielrichtung als ein kleiner, doch alle müssen und wollen das Ferkel bzw. das Kilogramm Fleisch möglichst kostengünstig produzieren, um langfristig zu bestehen.
Ferkelzahl und direktkostenfreie Leistung
Wird die direktkostenfreie Leistung der einzelnen Betriebe gegenüber der Zahl der abgesetzten Ferkel je Sau und Jahr betrachtet, so wird die Streuung sehr deutlich. Das bedeutet nichts anderes, als dass unterschiedliche ökonomische Ergebnisse bei gleicher Leistung bzw. umgekehrt gleiche ökonomische Ergebnisse bei unterschiedlicher Leistung auftreten. Anhand der Betriebe mit über 26 abgesetzten Ferkeln je Sau (Wichtig: jede andere Leistungsklasse hätte hier gewählt werden können) ist zu erkennen, dass eine Einteilung auch dieser Top-Betriebe nach der direktkostenfreien Leistung massive ökonomische Unterschiede aufzeigt. So haben bei weitgehend gleicher Leistung (~27,5 abgesetzte Ferkel) die 30 ökonomisch besten Betriebe mehr als eine doppelt so hohe direktkostenfreie Leistung im Vergleich zu den 23 anderen (Tabelle 2). Das Ergebnis darf nicht überbewertet werden, denn insbesondere Sondereffekte, wie die Region, der Energiebezug, das Remontierungssystem usw. dominieren die Unterschiede. Aber auch Unterschiede, die direkt von der Produktion abhängig sind, wie Futter- und Tierarztkosten, spielen eine wichtige Rolle. Dennoch ist der Zusammenhang zwischen der Ferkelzahl und der direktkostenfreien Leistung klar ersichtlich, wenn die Werte um Einflussfaktoren,
wie den Ferkel- und Futterpreis, die Betriebsgröße und die Region, korrigiert
werden (Abbildung 1). Ebenso klar ersichtlich ist, dass das Gesetz vom abnehmenden Ertragszuwachs bei steigender Leistung auch hier gilt. Werden lediglich die Betriebe ab 24 abgesetzten Ferkeln je Sau und Jahr betrachtet, so liegt die zusätzliche direktkostenfreie Leistung im Wirtschaftsjahr 2007/08 rechnerisch bei knapp 22 € je zusätzlichem Ferkel.
Aber: Lediglich 5 Prozent der ökonomischen Betriebsunterschiede können in der Leistungsklasse durch Unterschiede in der biologischen Leistung erklärt werden. 95 Prozent der Unterschiede werden somit durch andere Faktoren bestimmt. Das letzte Ferkel darf nicht zu teuer erkauft werden. Nur dann führt höhere biologische Leistung auch zum ökonomischen Erfolg.
Biologie und Ökonomie in der Mast
In der Schweinemast spielt das Wachstum der Tiere eine wichtige Rolle, um einen hohen Durchsatz an Mastschweinen je Stallplatz bzw. Quadratmeter Stallfläche zu erzielen.
Untersuchungen zeigen, dass lediglich knapp 9 % der Streuung im Merkmal direktkostenfreie Leistung je Quadratmeter Stallfläche (Nettostallfläche ohne Zentralgänge und Versorgungsräume) durch die Tageszunahmen erklärt werden kann. Der Grund liegt auf der Hand. Die Tageszunahmen sagen nur begrenzt etwas über das Wachstum aus, denn sowohl das Anfangs- als auch das Endgewicht der Schweine beeinflussen den Wert erheblich. Weiter spielt die Homogenität der Tiere eine wichtige Rolle bei der Stallplatzausnutzung. Ebenso sind auch die Schlachtkörperqualität und die Futterkosten wichtige Faktoren für die Wirtschaftlichkeit.
Korrelationsberechnungen zwischen biologischen und ökonomischen Merkmalen
verdeutlichen, dass die Zusammenhänge vielschichtig sind (Abbildung 2). Es wird z.B. deutlich, dass besonders die Tiergesundheit die Ökonomie im Betrieb auch indirekt über die Leistungsparameter Tageszunahme und Futterverwertung bestimmt. Letztere hatte besonders in der letztjährigen Futtermittelhochpreisphase eine Schlüsselstellung. Hier ist noch ungenutztes Potenzial in den Betrieben vorhanden.
Fazit
Die Datenbank der Erzeugerringe bietet eine breite Basis für Wirtschaftlichkeitsberechnungen.
In der Schweineproduktion geht es nicht darum, Leistungsrekorde zu brechen,
sondern Geld zu verdienen. Der positive Zusammenhang zwischen biologischer Leistung und Ökonomie ist zwar sowohl in der Ferkelerzeugung als auch in der Mast deutlich vorhanden, dennoch laufen diese nicht immer in eine Richtung. Es muss für den Einzelbetrieb genau geprüft werden, welche Leistungen für den ökonomischen Erfolg sinnvoll sind. Das letzte aufgezogene Ferkel oder die letzten 50 g Tageszunahmen dürfen nicht zu teuer erkauft werden.