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17.07.2009

Betriebszweigauswertung Milcherzeugung: In den Futterkosten liegen die Reserven

Im vergangenen Jahr wurden durch die Beratungsringe in Schleswig-Holstein in 1.197 Milchviehbetrieben Vollkostenauswertungen erstellt.

Die Ergebnisse werden in der Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein zusammengefasst und ausgewertet. Im Durchschnitt wurden 86,6 Kühe je Betrieb gehalten, die durchschnittliche Milchleistung lag bei 8.265 kg ECM (Energy corrected Milk, 4,0 % Fett / 3,4 % Eiweiß).Die Gesamtmilchproduktion der Betriebe betrug etwa 715.000 kg Milch. Nach dem DLG-Vollkostenschema werden die Bereiche Milchproduktion, die Jungviehaufzucht und der dazu gehörige Futterbau getrennt ausgewertet und am Ende zu einem Betriebszweig zusammengefasst. Alle Leistungen und Kosten dieses Betriebszweiges werden auf 1 kg Milch bezogen. In die Kostenermittlung gehen sowohl die Betriebsausgaben, als auch die Abschreibungen und die Faktoransprüche für die geleistete Arbeit der Betriebsleiterfamilie, der Pachtanspruch für die Eigentumsfläche sowie ein Zinsanspruch für das eingesetzte Eigenkapital ein. Die auf diese Art ermittelten Vollkosten lagen im Durchschnitt bei 38,6 Cent je kg ECM. Die Summe der Leistung je kg ECM lag bei 43,6 Cent, 88 % bzw. 38,3 Cent davon stammen aus dem Milchverkauf. Die weiteren 5 Cent stammen aus den Nebenerlösen durch Altkuh- und Kälberverkäufe und der Bestandaufstockung. Wenn man vom Erlös von 43,6 Cent die Vollkosten von 38,6 Cent abzieht, verbleibt ein positives kalkulatorisches Betriebszweigergebnis (kalk. BZE) von 5,0 Cent je kg. Dies ist ein Ausnahmeergebnis, das aufgrund des Milchpreisverfalls wohl in absehbarer Zeit nicht wiederholt werden kann.

Große Kostendifferenzen

Aufschlussreich ist die Auswertung der Betriebe nach ihrem Wirtschaftserfolg, hier gemessen am kalk. BZE je kg ECM. Die Differenz zwischen den Vollkosten der 25 % erfolgreichen Betriebe gegenüber den 25 % weniger erfolgreichen Betrieben betrug fast 11 Cent je kg ECM .  Die erfolgreichen Betriebe hielten mit durchschnittlich 101 Kühen etwa 29 Kühe mehr in ihren Ställen. Zudem produzierten die Kühe in den erfolgreichen Betrieben mit 9.099 kg fast 1.160 kg mehr als die Kühe in den weniger erfolgreichen Betrieben. Dadurch ergeben sich schon in vielen Kostenblöcken erhebliche Degressionsvorteile. Betrachtet man die Zusammensetzung der Vollkosten (Schaubild), stellt man fest, dass die Futterkosten in allen Betriebsgruppen nahezu 50 % der gesamten Kosten ausmachen. Etwa 40 Prozent der Kostendifferenz von 11 Cent sind durch unterschiedlich hohe Futterkosten verursacht. Bei weiterer Betrachtung stellt man fest, dass die Kraftfutterkosten je kg ECM im Mittel 7,8 Cent betragen und zwischen den besseren Betrieben und den weniger erfolgreichen Betrieben nur 1 Cent je kg variieren. Den weitaus größten Anteil an den Futterkosten haben mit 11,2 Cent je kg ECM die Grundfutterkosten. Hier sind die Unterschiede zwischen den Betrieben mit einer Differenz von 3,8 Cent noch deutlich größer. Dazu muss an dieser Stelle angeführt werden, dass die Grundfutterkosten in der Auswertung vorab zu Vollkosten berechnet worden sind. Zu den direkten Ausgaben (Saat, Pflanzenschutz, Düngung, Maschinen, Diesel, Lohnunternehmer, anteilige Pachten etc.) wurden die Abschreibungen der eigenen Maschinen, ein Zinsansatz für Maschinen- und Umlaufvermögen, ein Lohnanspruch für die Familienarbeit und ein Pachtanspruch für die Eigentumsflächen hinzugerechnet. Einzelbetrieblich interessiert natürlich, worin diese große Differenzen begründet sind. Wenn man die Ursachen kennt, hat man auch Möglichkeiten, sich zu verbessern.

Qualität und Menge bestimmen Grundfutterkosten

Die Auswertungen des Futterbaues zeigen die Überlegenheit des Silomaises bei den Felderträgen, der Energiekonzentration und den Kosten je 10 MJ NEL (Tabelle 1). In den Milchviehrationen werden deshalb mindestens 6 kg bis 8 kg Trockenmasse Silomais angestrebt. Bei der Grassilage ist die Qualität von besonderer Bedeutung. Im ersten Schnitt sollten mindestens 6,4 MJ NEL und in den Folgeschnitten mindestens 6,2 MJ NEL je kg Trockenmasse erreicht werden. Sowohl bei der Gras- als auch bei der Maissilage gibt es bei den ermittelten Vollkosten je Hektar nur geringe Unterschiede.

Die Unterschiede bei den Felderträgen und der Futterqualität sind sehr viel größer. Dies trifft insbesondere auf die Grassilage zu. Hier variieren die Trockenmasseerträge von 70 und 130 dt je Hektar. Nimmt man dann noch die Energiekonzentration hinzu, dann liegen die Energieerträge bei der Grassilage zwischen 44.000 und 78.000 MJ NEL je Hektar. Natürlich haben die Wasserzufuhr und die Bodenqualität einen großen Einfluss auf die Ertragsbildung. Dennoch ist der Einfluss der Bewirtschaftung nicht zu unterschätzen. Dies beginnt bei der Zusammensetzung der Grasnarbe und endet in der Sorgfalt der Silierung. Von vielen Landwirten wird der Einfluss der Zusammensetzung der Grasnarbe unterschätzt. Nur darauf zu achten, dass keine Lücken in der Narbe entstehen und Unkraut bekämpft werden muss, reicht auf Dauer nicht aus. Wie leistungsfähig Grasnarben heute sein können, zeigen die Ergebnisse aus den Betrieben, die regelmäßig  neue leistungsstarke und ernteelastische Gräser oder Grasmischungen einsetzen.

Die großen Kostendifferenzen in den Rationen sind zum größten Teil auf die Qualität des Grundfutters, und hier insbesondere der Grassilage zurückzuführen.

Fazit

Nur mit qualitativ hochwertigen Gras- und Maissilagen kann eine hohe Grundfutteraufnahme erreicht werden, und dies ist der Grundstein für eine leistungsfähige und kostengünstige Ration. Wenn diese Grundration dann mit den passenden Einzelkomponenten oder einem entsprechenden Mischfutter in der Menge korrekt ergänzt wird, können sowohl hohe Milchleistungen als auch niedrige Futterkosten erreicht werden. Darauf sind die Betriebe in Zeiten niedriger Milchpreise besonders angewiesen. Es ist deshalb wichtig, zunächst die Futterkosten zu ermitteln und Schwachstellen aufzudecken. Demnächst werden die Eckpunkte für die Futterproduktion des nächsten Sommers und für die Fütterung des nächsten Jahres gelegt. Die Werbung von Qualitätsgrundfutter steht dabei an erster Stelle.