40 Jahre Veredlungsproduktion - Teil 8 - proteinmarkt.de - Infoportal für Landwirte


Zeitschrift Veredelungsproduktion - aktuell
21.11.2008

40 Jahre Veredlungsproduktion - Teil 8

Erhebliche Produktivitätssteigerung in den neuen Bundesländern

Die Landwirtschaft in den fünf Bundesländern Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg, Sachsen-Anhalt, Sachsen und Thüringen hat in den vergangenen Jahrzehnten einen gewaltigen Wandel mit abrupten Brüchen durchlebt.
In der DDR entwickelte sich die Landwirtschaft unter anderen Prämissen mit anderen Eigentumsverhältnissen, politischen Zielstellungen und einer starken sozial-gesellschaftspolitischen Komponente sowie unter dem Diktat des Selbstversorgungsanspruchs in eine Richtung, die häufig erzwungene Betriebsstrukturen und Produktionsprofile zur Folge hatten. Erinnert sei an die Bildung von Genossenschaften und Volkseigenen Gütern sowie die Trennung (und spätere Kooperation) der Tier- und Pflanzenproduktion.
Die Aufgabe der Landwirte war es jedoch stets, die Ernährungsgrundlage zu sichern.
Dies hat sich über die Zeiten hinweg nicht geändert, auch wenn inzwischen durch die Liberalisierung des Handels die Warenströme nahezu ungehindert fließen können.
Die unterschiedliche Historie hat ihre Spuren vor allem bei den Betriebs- und Eigentümerstrukturen hinterlassen. So dominiert in den Neuen Bundesländern die groß strukturierte Landwirtschaft in den Rechtsformen eingetragene Genossenschaft und Gesellschaft mit beschränkter Haftung als ein zumindest
in der deutschen Landwirtschaft in dieser Breite neues Eigentümer- und
Betriebsmodell. Daneben haben sich aber auch zahlreiche leistungsstarke bäuerliche Familienbetriebe und GbR etabliert. Die Vielfalt der Rechtsformen ist im Osten Deutschlands  sehr ausgeprägt und damit werden für Deutschland auch neue Wege beschritten.

Unabhängig davon hat sich die Branche innerhalb weniger Jahren den gravierend veränderten Marktbedingungen angepasst. Es hieß weg von den staatlich verordneten Anbauplanungen hin zu einer Optimierung der Produktion für gesättigte Märkte. Dabei übten die Anbauprämien der EU einen gewissen
Reiz aus, der inzwischen jedoch mit dem heutigen System der entkoppelten Direktzahlungen nicht mehr gültig ist. Stattdessen ist der Landwirt zunehmend den Spielregeln des Marktes ausgesetzt. Dies haben viele der Betriebsinhaber – auch auf Grund der erlebten Brüche – zutiefst verinnerlicht.
Dass mit den Direktzahlungen Zwänge verbunden sind, ist der Preis, der derzeit
gezahlt werden muss. Leider werden die Zwänge in dem Maße zunehmen, in dem sich die Mehrheit der Gesellschaft aus dem ländlichen Raum zurückzieht und diesen nicht mehr als Produktionsstandort, sondern ausschließlich als Erholungsraum und Biotop betrachtet.
In den Neuen Bundesländern ist eine erhebliche Produktivitätssteigerung bei gleichzeitiger Qualitätsproduktion in den Bereichen Tier- und Pflanzenproduktion gelungen. Dies hat seine Ursache vor allem in dem ungehinderten Zugang zu effi zienter Technik und zu besserem Zuchtmaterial. Eine nicht unwesentliche
Rolle spielen auch die hoch motivierten, engagierten und gut ausgebildeten
Betriebsleiter, die sich Neuem gegenüber aufgeschlossen zeigen und wissenschaftlich technischen Fortschritt nutzen wollen. Die gute Ausbildung auch der Mitarbeiter, ist eine wichtige Stütze des bisherigen Erfolges der Landwirtschaft in den neuen Bundesländern.