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Grundlagen-Schweine
25.05.2012

„Zehntes Traditionelles Spanferkelessen“ der ISN

Parlamentarischer Abend der ISN in Berlin: Tierschutz und Wettbewerbsfähigkeit im Mittelpunkt der Diskussion – Dierkes fordert konsequente Einbeziehung der Wirtschaft bei Erarbeitung von Lösungen. (Berlin/Damme) Gut 130 Gäste konnten ISN-Vorsitzender Heinrich Dierkes und ISN-Geschäftsführer Dr. Torsten Staack am Dienstag dieser Woche beim zehnten Jubiläum des „traditionellen Spanferkelessen“ der ISN-Interessengemeinschaft der Schweinehalter Deutschlands e.V. in der Landesvertretung Niedersachsen in Berlin begrüßen.

Neben den agrarpolitischen Sprechern der Bundestagsfraktionen nutzten zahlreiche hochrangige Vertreter aus dem BMELV sowie Abgeordnete des Deutschen Bundestages, der verschiedenen Länderparlamente, der Jugendorganisationen der Parteien und verschiedener Botschaften die Gelegenheit zum Gedankenaustausch.

Antibiotikamonitoring: Wirtschaftsansatz einbeziehen
Angesichts der Debatte um MRSA und Antibiotikaeinsatz hob Heinrich Dierkes in seinem Grußwort die großen Bemühungen der Wirtschaft um ein Antibiotikamonitoringsystem hervor: „Von Wirtschaftsseite ist über das QS-System ein komplettes Antibiotikamonitoring inklusive Leitfaden und Datenbank und allem, was dazu gehört innerhalb kürzester Zeit für den Geflügelbereich umgesetzt worden. Die Mastschweine sollen bis zum 01.September folgen!". Dierkes kritisierte, dass die Bemühungen der Wirtschaft derzeit zu stark außer Acht gelassen werden: „Wir befürworten das Minimierungskonzept nach dem „niedersächsischen Modell“, aber wir als Praktiker erwarten auch, dass in diesem Zusammenhang die Leistung der Wirtschaft, die hier klar in Vorleistung geht, einbezogen wird.“

Überzogene Anforderungen treffen vor allem kleine und mittlere Betriebe
„Wir wollen den Finger in die Wunden legen“, erläuterte Dierkes. „Mit zusätzlichen oder verschärften Auflagen insbesondere im Bereich Tierschutz, trifft die Politik vor allem jene, die sie angeblich schützen wollen, nämlich die kleinen und mittleren Betriebe.“ So warnte Dierkes davor, die Anforderungen an die Schweinehaltung in Deutschland zu überziehen.

Mit seiner Auftaktansprache rückte Dierkes Themen ins Bewusstsein der politischen Entscheidungsträger, die in der folgenden Podiumsdiskussion wieder aufgegriffen wurden.

Wettbewerbsfähigkeit im Fokus
Dr. Jürgen Struck, Redakteur der „Agrarzeitung“, moderierte anschließend die Diskussionsrunde mit den agrarpolitischen Sprechern der Bundestagsfraktionen. ISN-Geschäftsführer Dr. Torsten Staack stimmte die Teilnehmer der Podiumsdiskussion auf die Themen ein, die sonst aus Sicht der ISN viel zu selten im Vordergrund öffentlicher Diskussionen stehen. „Die Themen Tierschutz und Nachhaltigkeit sind in aller Munde, doch der Aspekt Wettbewerbsfähigkeit fristet momentan aus unserer Sicht in Diskussionen eher ein Schattendasein“, so Staack.

So wurde die Diskussion auch passend eingeleitet mit der Frage: Wie viel Schwein muss sein? Die Meinungen gingen weit auseinander. CDU-Agrarprecher Franz-Josef Holzenkamp war sich sicher: „Eine planwirtschaftliche Steuerung wird nicht funktionieren!“. Dr Wilhelm Priesmeier, agrarpolitischer Sprecher der SPD-Fraktion, fragte: "Sind die Grenzen der Leistungsfähigkeit und Wettbewerbsfähigkeit erreicht?“. Für den agrarpolitischen Sprecher der Grünen, Friedrich Ostendorff, ist die flächenabhängige Produktion eine zentrale Forderung.

Etwas allgemeiner äußerte sich der tierschutzpolitische Sprecher der Linken, Alexander Süßmair. Er vertrat die Meinung, dass die Politik die Wettbewerbsfähigkeit erhalten müsse und Billigimporte verhindern sollte.

Verwendung von tierischen Eiweißträgern überdenken
Überraschende Einigkeit herrschte bei der Diskussion zum künftigen  Umgang bei der Verfütterung von tierischem Eiweiß.

Ostendorff, sprach sich für eine verantwortungsvolle Debatte aus, dann spreche aus seiner Sicht nichts dagegen: „Die Teile die nicht verwertet werden können, kann man einem vernünftigen Verwertungskreislauf zuführen“, so Ostendorff. CDU-Sprecher Franz-Josef Holzenkamp war der Ansicht: „Entscheidend ist die Sicherheit.“ Und Dr. Christel Happach-Kasan (FDP) ergänzte: “Grundsätzlich sollten wir es zulassen.“

Agrarforschung stärken
In der Diskussion stellte sich schnell heraus, dass es in einigen Bereichen erheblichen Nachholbedarf gibt. „Eklatante Wissenslücken in der Agrarforschung zum Thema Nutztierhaltung müssen geschlossen werden“, mahnte Prof. Dr. Jungbluth, stellvertretender Sprecher der DAFA (Deutsche Agrarforschungsallianz). Er sprach sich während der Podiumsdiskussion für die Erforschung gänzlich neuer Haltungsverfahren aus. Man müsse langatmig, strategisch koordiniert und nicht kleinteilig an die Lösungserarbeitung rangehen, so sein Credo.

Keine Frage, es besteht dringender Forschungsbedarf. Die ISN unterstützt daher den Ansatz der DAFA.


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